Hyperdub und neuer Bass

    Weder ist es superneu noch außergewöhnlich, das Londoner Label Hyperdub zu lobpreisen – aber wieder höchste Zeit.

    Wer Hyperdub sagt, muss Kode9 sagen. Im Wesentlichen ist er es, Steve Goodman, der das Label am Laufen hält. Abgesehen natürlich von den irren Produzenten, die Goodman in seinem Katalog versammelt. Hyperdub ist der releasende Beweis dafür, dass das, was zeitweise Dubstep war, in Wahrheit ein bassiges, waberndes Monster ist, das sich ständig selbst neu erfinden kann. Genres können doch nur immer Momentaufnahmen sein, ihr wisst schon.

    analog

    Jedenfalls könnte 2009 ein großartiges Jahr für Hyperdub und Monsterliebhaber werden. In Benjis 1Xtra Radioshow vom letzten Freitag war Kode9 zu Gast und hat einiges von dem verraten, was 2009 von Hyperdub zu erwarten ist: Neben einer Labelkompilation auf zwei CDs, warten 5 neue Alben auf Fertigstellung; von Burial, Kode9 / Spaceape, Darkstar, Ikonika und King Midas . So viele Ausrufezeichen gibt mein Computer gar nicht her, wie hier nötig wären. Die zwei neuen, in der Radioshow gespielten Tracks von Burial verraten schon, dass von ihm nichts vollkommen anderes kommen wird. Bei wenigen Produzenten ist das eine so gute Nachricht wie bei Burial.

    Neuer ist schon die auch letztes Jahr mit Samiyams »Return« grandios gepflegte Achse Hyperdub-Brainfeeder. Noch mehr weird Hip-Hop mit Tracks von Flying Lotus steht an, bestimmt also werden wir keinen Mangel leiden müssen an strangen Synthies, queren Beats und mächtigen Bassunterbauten. Aktuellstes Release ist eine 12“ mit einem Track von Joker und einem von DJ 2000F und JKamata, die alle drei die G-Funk-Variante des Hip-Hop mit neuen Beats verbauen. Warp hat ja ganz ähnliche Sachen am Laufen: Letztes Jahr das große Album von Flying Lotus und jetzt das Album von Harmonic 313 (Spitzenseite!) und die EP von Hudson Mohawk. Beide klar mit Hip-Hop bewaffnet, aber immer vertrackt und verschroben, mit abgefahren Melodien und zerhackten Beats. Die analogen Sounds machen das Ganze nur noch rougher, Detroit inklusive. Super ist es jedenfalls, wenn Hip-Hop so reformuliert wird und Hyperdub (auch abseits davon) noch experimenteller wird. Ich habe das Gefühl, da hat etwas angefangen, was noch nicht vorbei ist.

    [Die Radioshow gibts noch bis Freitag direkt bei der BBC als Stream und ist sonst über Google in Blogs und Foren als Download zu finden. Das Bild ist von jurvetson.]