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<rss version="2.0"><channel><atom:link rel="hub" href="http://tumblr.superfeedr.com/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"/><description></description><title>N E U E | Z U K U N F T</title><generator>Tumblr (3.0; @neuezukunft)</generator><link>http://neuezukunft.net/</link><item><title>Dinge kommentieren</title><description>&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm4.static.flickr.com/3058/3347814597_f253f85bc7.jpg" alt="things" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Ding an sich war raus. Seit den konstruktivistischen Sündenfällen des 20. Jahrhunderts (&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heisenbergsche_Unsch%C3%A4rferelation" target="_blank"&gt;Unschärferelation&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Beobachtung_zweiter_Ordnung" target="_blank"&gt;Beobachtungstheorie&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Laws_of_Form#The_form_.28Chapter_1.29" target="_blank"&gt;Theorie der Form&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dekonstruktion" target="_blank"&gt;Dekonstruktion&lt;/a&gt; usw.) waren die Dinge direkt viel weniger interessant als Beobachtungen und Aussagen über Dinge. Doch jetzt das: Neben einer gerade erschienen »&lt;a href="http://www.transcript-verlag.de/ts1326/ts1326.php" target="_blank"&gt;Kultursoziologie der Dinge&lt;/a&gt;« wurde in einer mittlerweile unauffindbaren Radiosendung die Methode der Dingforschung erwähnt. Es ging um das Fahrrad als ein „Ding der Nation” der Niederlande und darum, wie an diesem Ding nationale Tugenden gespiegelt wurden; der freie Niederländer fährt mit seinem Fahrrad selbstständig wohin er will, der ehrliche Niederländer sitzt aufrecht auf seinem Fahrrad usw.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man sieht gleich, die Dinge werden in der Dingforschung nicht einfach nur Dinge sein können, sondern eher Klumpen von Informationen über Verwendung und Geschichte. Dinge gibt es nur mit Gedächtnis und einem &lt;a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/385970/" target="_blank"&gt;Medium&lt;/a&gt;. Bargeldstücke zum Beispiel sind ganz eindeutig etwas anderes als nur hübsch geprägte Metalldinge. Und auch die Dinge im Yps-Heft (»&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yps#Gimmicks" target="_blank"&gt;Gimmicks&lt;/a&gt;«) waren toll durch ihre Geschichte, nämlich als »Überlebensausrüstung« oder »Urzeitkrebse«, nicht weil sie gut funktioniert hätten. Klassischer Weise sind es die Dinge der Religion und der Kunst, die Dinge als Informationshaufen entlarven: &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reliquie#Kategorisierung" target="_blank"&gt;Reliquien aller Klassen&lt;/a&gt;*, &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schwarze_Quadrat" target="_blank"&gt;unterschriebene Urinale&lt;/a&gt; oder &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schwarze_Quadrat" target="_blank"&gt;Bilder von schwarzen Quadraten&lt;/a&gt;**.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die passende Medientechnik für eine digitale Vernetzung der Dinge als Informationsklumpen, für ein »&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Internet_of_Things" target="_blank"&gt;Internet der Dinge&lt;/a&gt;«, ist auch fast fertig. Die kommende Version des Internetprotokolls (&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/IPv6" target="_blank"&gt;IPv6&lt;/a&gt;) vergrößert den Adressraum des Internets von 2&lt;sup&gt;32&lt;/sup&gt; auf 2&lt;sup&gt;128&lt;/sup&gt; mögliche Adressen. Damit hätte jeder lebende Mensch so viele IP-Adressen zur Verfügung &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/IPv6#Larger_address_space" target="_blank"&gt;wie eine Tonne Kohlenstoff Atome hat&lt;/a&gt; – genug Adressen für viele Dinge also. Wenn alle Dinge adressiert und vernetzt sind, bringen Techniken der &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Augmented_reality" target="_blank"&gt;augmented reality&lt;/a&gt; die in der Vernetzung generierten Informationen wieder zu den Dingen. Die Informationsseite der Dinge wird noch mal ganz neu aufgerollt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die ersten Dinge überhaupt sollen solche gewesen sein, die andere Dinge ordnen und sammeln konnten, also Körbe, Schalen, Krüge u.ä. Das scheint sich zu wiederholen, beliebt bleiben Meta-Dinge. Was den ersten Menschen ihr Faustkeil oder Korb, ist den Kapitalisten ihr Produktionsmittel. Das nächste große Ding müsste eines sein, mit dem man Dingnetze manipulieren und augmented realities erzeugen kann. Das nächste große Ding ist ein Dingbrowser. Ein Ding mit dem man Dinge kommentieren kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;br/&gt;
* Zu klären wäre, inwieweit Reliquien erster Klasse, besonders Ganzkörperreliquien, als Dinge behandelt werden sollten.&lt;br/&gt;
** Bilder sind überhaupt bemerkenswerte Dinge, weil sie etwas zeigen, was sie nicht sind. Das gilt wiederum nur teilweise für &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mise_en_abyme" target="_blank"&gt;Mise en abyme&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;br/&gt;
[Ziemlich genauso in der &lt;a href="http://berlinergazette.de/das-naechste-grosse-ding/" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt; erschienen. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/numstead/3347814597/" target="_blank"&gt;numstead&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/399397140</link><guid>http://neuezukunft.net/post/399397140</guid><pubDate>Sat, 20 Feb 2010 01:02:00 +0100</pubDate></item><item><title>I heart a sound.</title><description>&lt;img src="http://farm3.static.flickr.com/2703/4080308882_2224a9a537_o.jpg" alt="moldywater" width="400"/&gt;&lt;p&gt;
Hudson Mohawke / Butter&lt;br/&gt;
Paul White / The Strange Dreams Of Paul White&lt;br/&gt;
Zomby / One Foot Ahead Of The Other&lt;br/&gt;
Bibio / Ambivalence Avenue&lt;br/&gt;
Ras G / Brotha From Anotha Planet&lt;br/&gt;
Dorian Concept / When Planets Explode&lt;br/&gt;
Grizzly Bear / Veckatimest&lt;br/&gt;
2562 / Unbalance&lt;br/&gt;
Kettel / Myam James 2&lt;br/&gt;
FaltyDL / Bravery&lt;br/&gt;
The Long Lost / dito&lt;br/&gt;
Last Days / The Safety Of The North&lt;br/&gt;
La Roux / dito&lt;br/&gt;
Choir Of Young Believers / This Is For The White In Your Eyes&lt;br/&gt;
Little Boots / Hands&lt;br/&gt;
Bat For Lashes / Two Suns&lt;br/&gt;
Nosaj Thing / Drift&lt;br/&gt;
Foreign Born / Person To Person&lt;br/&gt;
Mayer Hawthorne / A Strange Arrangement&lt;br/&gt;
jj / jj n° 2&lt;br/&gt;
Nite Jewel / Good Evening&lt;br/&gt;
Bodycode / Immune&lt;br/&gt;
Andrew Bird / Noble Beast&lt;br/&gt;
10-20 / dito&lt;br/&gt;
Shackleton / Three EPs&lt;br/&gt;&lt;/p&gt;

[Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/thevintagecollective/4080308882" target="_blank"&gt;Vintage Collective&lt;/a&gt;.]</description><link>http://neuezukunft.net/post/303062863</link><guid>http://neuezukunft.net/post/303062863</guid><pubDate>Sun, 27 Dec 2009 20:04:00 +0100</pubDate></item><item><title>Wie sind wir Was/ser?</title><description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.berlinergazette.de/index.php?pagePos=40" target="_blank"&gt;Wir sind was? Wasser?&lt;/a&gt; &lt;a href="http://neuezukunft.net/post/144095535/wie-sind-wir-was-ser" target="_blank"&gt;Irgendwie&lt;/a&gt; schon: Nicht nur jedes Wir, sondern überhaupt jedes Was hängt immer auch ab von anderem, fliesst aus- und ineinander, trennt und vermischt sich gerne. Was man fest in der Hand zu haben meint, läuft einem im nächsten Moment durch die Finger. Alles kann man immer noch differenzierter sehen und durch eine Metaebene mehr filtern. Und das ist nicht schlimm. So ein Meer von Sinn ist eine tolle Sache, mindestens für Entdecker. Von der Tiefsee der Erde soll nur ein Prozent erforscht sein, von der Tiefsee des Sinns wahrscheinlich noch weniger. Komisch ist aber, dass wir trotzdem sinnvoll etwas Bestimmtes sagen können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm3.static.flickr.com/2527/3698686016_63df010746.jpg" alt="moldywater" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie können wir etwas sein oder meinen, was zumindest auf den ersten Blick eindeutig bezeichnet ist, feste Ecken und Kanten hat und nicht sofort wieder mit dem Meer zusammenläuft aus dem es kommt? Wie sind wir Was[ser]? Vielleicht ist jedes Was und jedes Wir so etwas wie Wasser in Gläsern und Eimern, Tonnen und Töpfen, Flaschen und Tassen. Wir sind nicht einfach nur irgendwie Wasser, sondern Wasser in Behältern, Wasser in bestimmter Form. Wir sind und nutzen Dinge, die ein wenig Wasser vom Meer trennen und mit sich selbst zusammenhalten. Mit einem ganzen Meer kann keiner etwas anfangen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wir sind Bayern und Berliner, Deutsche und Österreicher. Wir sind Kunden, Männer und Fussfetischisten. Alles zugleich oder nichts von alledem. Und wenn irgendetwas an meinem Geplansche und Gepansche mit Metaphern dran ist, dann ist jedes Wir fest und flüssig zugleich: Fest, weil ein verstehbares Wir ein formendes Gefäß braucht, und flüssig, weil das geformte Wasser auch immer wieder umgefüllt und zurückgeschüttet werden kann. Wenn Wasser zulange nicht bewegt wird, wird es brackig und abgestanden. Kategorien sind notwenig, aber genauso notwendig ist, dass es auch andere Kategorien und Faktoren gibt. Alles Wasser fliesst irgendwann zurück ins Meer.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[Geschrieben für die &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=1185" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/sjsharktank/3698686016/" target="_blank"&gt;sjsharktank&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/144095535</link><guid>http://neuezukunft.net/post/144095535</guid><pubDate>Sat, 18 Jul 2009 13:33:00 +0200</pubDate></item><item><title>Habermas wählen</title><description>&lt;p&gt;Am 18. Juni feierte Jürgen Habermas seinen 80. Geburtstag. Zu dem Anlass und ganz allgemein steht ein Luhmann-Opfer wie ich ganz gerne reflexhaft in Opposition zu Habermas und seiner Theorie, auch wenn ich von beiden nicht viel mehr weiß, als was mich Luhmann durch Seitenhiebe hat wissen lassen. Rundum ungerecht ist also mein arg beschränktes Interesse und Wissen am Geburtstagskind. &lt;a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/977693/" target="_blank"&gt;Aber so schlimm&lt;/a&gt;, Frau Tönnies? Kann ich mir gar nicht vorstellen, muss ich mir selber mal anschauen. Bitte seien Sie mir nicht böse, Frau Tönnies, wenn ich nicht mit Ihrer Sicherheit mithalten kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm3.static.flickr.com/2315/2232673318_e81bc3c3e3.jpg?v=0" alt="habermas" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man kann schon mal nicht sagen, der Geburtstag würde nicht gut zum Wahljahr 2009 passen; hat sich Habermas doch gerne mit der Demokratie herumgeschlagen. Seine deliberative Demokratie ist ausdrücklich unabhängig von der Tugendhaftigkeit ihrer Buerger, aber auch kein einfacher Deal eigennütziger Individualisten. Auch soll sie als pluralistische Politik nicht hauptsächlich ethisch sein, d.h. soll sich nicht ständig mit der Frage beschäftigen, wie eine gute Gesellschaft beschaffen ist und zu erreichen wäre. Wichtig ist vielmehr, dass verschiedene Werte und Interessen prozessiert werden, die je fuer sich gerade nicht die Identität der Gesellschaft behandeln.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In Habermas‘ Demokratie kommt alles auf die Kommunikationsbedingungen der Meinungs- und Willensbildung an. Es kommt darauf an, wie eine öffentliche Meinung zustande kommt und in Wahlen politische Form gewinnt. Öffentlichkeit kann weder handeln noch herrschen, aber sie kann politische Macht in bestimmte Bahnen lenken und als solidarisches Gegengewicht zu den Gewalten Geld und Macht wirken. So hofft es zumindest Habermas und ich will gerne mit ihm hoffen. Und eines will ich empfehlen: Bei berechtigten Zweifeln Tönnies überspringen und gleich Habermas lesen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[Endlich mal dem Namen der Neuen Zukunft Ehre gemacht und Text völlig verspätet hier reingelegt. Nimm das, Zeit! Ursprünglich ist das alles erschienen in der &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=1148" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Das Bild ist von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/hannizkaos/2232673318/" target="_blank"&gt;hannizkaos&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/130708643</link><guid>http://neuezukunft.net/post/130708643</guid><pubDate>Fri, 26 Jun 2009 19:00:03 +0200</pubDate></item><item><title>

Heute Werbung – und zwar für Gutes: Die Berliner Gazette ist nicht nur einer der Gründe dafür,...</title><description>&lt;p&gt;&lt;img src="http://bgseminar.files.wordpress.com/2009/05/mgberlin031_gif_kl.gif" alt="meer" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Heute Werbung – und zwar für Gutes: Die &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt; ist nicht nur einer der Gründe dafür, dass ich überhaupt noch was in mein Blog geschrieben bekomme, sondern veranstaltet auch heute ein kuschliges aber – oho! – internationales Symposium mit Namen »&lt;b&gt;Meergemeinschaft&lt;/b&gt;«. Diskutierend überprüft werden soll, welche Modelle und Metaphern des Flüssigen als Beschreibungen des Sozialen taugen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ab 14.00 Uhr können sich junge Medienmanipulatoren zwischen 17 und 25 &lt;a href="http://bgseminar.wordpress.com/2009/06/11/workshop-medien/" target="_blank"&gt;während eines Workshops in professioneller Begleitung&lt;/a&gt; fragen, ob und wie sich  das Gemeinsame der Gesellschaft auf der Wasseroberfläche der Medien spiegelt. Abends um 19.00 Uhr gibt es einen Vortrag über Gemeinschaft und Gewalt im Zeitalter der Globalisierung mit anschließender Disskusion. &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=1149" target="_blank"&gt;Schaut mal hier für mehr Informationen&lt;/a&gt;. Berliner und Freunde kleiner Reisen sollen hingehen. Soweit ich gehört habe, wird gratis Wasser und Wissen ausgeschenkt.&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/122582685</link><guid>http://neuezukunft.net/post/122582685</guid><pubDate>Sat, 13 Jun 2009 01:01:00 +0200</pubDate></item><item><title>Hiphop als Hörspiel</title><description>&lt;p&gt;»Vielleicht schreibe ich was über Hiphop«, habe ich gesagt. »Ach«, hat sie gleich verächtlich erwidert, »Hiphop ist doch tot!«. Immer mal wieder ein Sorgenkind ist er in der Tat. Er ist noch für kleine Skandale gut, ist manchmal wirtschaftlich erfolgreich und tut immer so. Er sei Sexist, sagt man, und überhaupt gibt er sich nicht selten konservativ. Aber tot? Nein! Tot ist er nicht. Vielmehr erinnert das alles daran, wie Hiphop nie nur Musik war, sondern immer Paradefall einer Popkultur, die mehr Formen benutzt als nur Geräusche.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm4.static.flickr.com/3086/3241339367_3db5aeb704.jpg" alt="mpc" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Trotzdem: Was ist mit den Tönen und was ist mit der Musik des Hiphop? Was ist mit den Beats? Neues hören kann man zum Beispiel aus Los Angeles, nämlich vom Label &lt;a href="http://www.brainfeedersite.com/" target="_blank"&gt;Brainfeeder&lt;/a&gt; und dessen bekanntestem Mitbegründer Flying Lotus. Auch in England auf dem sumpfigen Bassboden von Dubstep sind neue Beat gut gediehen, so in Glasgow die von Hudson Mohawke und Rustie, die beide beim legendären Label Warp Unterschlupf gefunden haben. Wien hat den spitzenmässigen Dorian Concept zu bieten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Irgendwie haben sie alle etwas Neues gemeinsam: Ihre Beats sind gerne unglaublich wacklig und verschroben, mit viel Dreck und billigen Synthies verziert. Die Sounds klingen oldschoolig und auf nostalgische Weise futuristisch, auch elektronisch, aber nicht nach Hightech, oft komplex, aber dabei nach Hobby und Hörspiel. Alles das hat diese Musik dem Hochglanz-Hiphop nach Timbaland und dem konservativen Thug-Hiphop voraus, nämlich das Ungerade und Verbeulte, den Fehler als zentrale Form und Folge sympathischen Ausprobierens. Pop und Experiment feiern zusammen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[Geschrieben für die &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=1106" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Foto von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/endogamia/3241339367/" target="_blank"&gt;regueifeiro&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/104607554</link><guid>http://neuezukunft.net/post/104607554</guid><pubDate>Thu, 07 May 2009 17:12:42 +0200</pubDate></item><item><title>Bat for Lashes - Two Suns</title><description>&lt;p&gt;Ihr erstes Album »Fur And Gold« hat Natasha Khan in ihrem Schlafzimmer geschrieben, auf ihrem Bett. Das stand in ihrer Heimatstadt Brighton an der Küste Englands. Mindestens damals waren es dann die Momente zwischen wach sein und schlafen, zwischen konzentriertem Arbeiten und verwirrtem Träumen, die Khans Musikfantasien entstehen liessen. So erzählt sie es zumindest in &lt;a href="http://www.factmagazine.co.uk/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=2101&amp;Itemid=68" target="_blank"&gt;Interviews&lt;/a&gt; und man will ihr nichts anderes als glauben. Der Erfolg dieses ihres ersten Albums hat Khan herausgelockt aus ihrem Schlafzimmer in die Welt, gerade auch nach New York. Sie hat sich verliebt, hat neue Musik kennengelernt und andere Künstler getroffen. Sie hat in New York gefeiert und gelebt, nicht immer glücklich. Sie ist in die Wüste Kaliforniens geflüchtet und hat in ihrem Schlafzimmer in Brighton ihr Leben und ihre Liebe in New York vermisst. »No matter where I was there was always a piece of me missing«, sagt sie über diese zerrissene Zeit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm3.static.flickr.com/2179/2310550043_e0902d25ec.jpg?v=0" alt="bfl" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;An alles das darf man denken, wenn man »Two Suns« hört und wenn man sich die Differenzen in Bat for Lashes‘ neuem Album erklären will. Muss man aber nicht. Auch ohne das alles kann man sich von der Musik des Albums erzählen lassen, was Einsamkeit ist und was Sehnsucht, wie man untergehen kann in einer Großstadt und wie man allein sein kann, obwohl man ständig in Gesellschaft ist. Man kann hören, wie man melancholisch tanzt und wie man im Dunklen träumt – von dem, was man nicht hat, und von dem, was man sich wünscht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Khans neues Album klingt im Gegensatz zu »Fur And Gold« weniger puristisch, weniger nach Schlafzimmer. Darüber kann man trauern, aber es war ein nur logischer Schritt. »Two Suns« ist definitiv aufwendiger und sauberer. Das ist nicht an sich schon ein Fortschritt, sondern hat im Gegenteil schon so manchen Sound zerstört. Den von aber Bat for Lashes nicht. Die orchestraleren Arrangements machen Khans Musik nicht weniger intim, sondern im Gegenteil mächtiger und ernster. Die komplizierter programmierten Beats lassen die ruhigen Momente nicht untergehen, sondern lassen sie umso heller leuchten. Das neue Feuer in Khans Musik erhellt nicht nur einfach alles, sondern lässt die dunklen Momente auch schwärzer und tiefer erscheinen. Und selbst wenn das nicht so wäre: es bleibt Khans Piano und ihre traurige und hoffnungsvolle Stimme. &lt;strike&gt;Es ist wahr, es ist ein Traum.&lt;/strike&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[»Two Suns« von &lt;a href="http://www.batforlashes.com/" target="_blank"&gt;Bat for Lashes&lt;/a&gt; ist am 06.04.2009 bei &lt;a href="http://www.parlophone.co.uk/" target="_blank"&gt;Parlophone&lt;/a&gt; erscheinen. Das Bild ist von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/sshb/2310550043/" target="_blank"&gt;Scorpions and Centaurs&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/95207905</link><guid>http://neuezukunft.net/post/95207905</guid><pubDate>Sat, 11 Apr 2009 19:50:00 +0200</pubDate></item><item><title>Christian Naujoks - Untitled</title><description>&lt;p&gt;Ich glaube, an diesem Album findet jeder Momente, die einem so richtig auf die Nerven gehen. Mir zum Beispiel »Bloom« und noch schlimmer »Baby blue«. Schrecklich. Dieses verpitchte Rumgesoule und dieses irre Gitarrengeschrammel. Will ich nicht hören. Nein, Sir.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm4.static.flickr.com/3245/2984481119_a798b9ee41.jpg?v=0" alt="piano" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber – Scheiße! – vielleicht muss ein gutes Album auch nerven können. Soweit hat er mich schon, der Herr &lt;a href="http://www.myspace.com/cnaujoks" target="_blank"&gt;Naujoks&lt;/a&gt;, mit seinem unbetitelten Album auf &lt;a href="http://www.dial-rec.de/" target="_blank"&gt;Dial&lt;/a&gt;. Nämlich sind da auch die mir unerklärlich tollen Momente. »Off the Rose« zum Beispiel, ein verrauschtes Cover von New Orders »Leave Me Alone« mit minimalistischer Pianobegleitung und verzerrtem, billigem, aber unheimlich engagiertem Gesang. Spitze auch »Bar 27« mit seiner hallenden Spacepianomelodie, die mich eventuell nur angenehm an Aphex‘ letzte Experimente mit diesem Instrument erinnert. Ich weiß es nicht, aber alleine diese Verwirrung ist schon großartig, und ich höre es gerne.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Alles ist geisterhaft unnahbar und trotzdem hobbymässig intim. Klassische repetative Minimal Music kuschelt mit schnoddriger New-Wave-Attitüde. Das passt alles nicht so recht zusammen und klingt doch überraschend konsequent. Ein Album, das einen wünschen lässt, alle Popmusik könnte so verschroben sein, so experimentell, vernünftig hassenswert manchmal, aber eben auch anziehend einfach und an vielen Stellen nur angenehm schön zu hören. Ein ganz komisches Ding und letztendlich ziemlich super.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[Das unbetitelte Album von Christian Naujoks ist am 30.03.2009 bei Dial Records erschienen. Einen spektakulären Mix von Christian Naujoks gibt es beim &lt;a href="http://www.factmagazine.co.uk/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=2269&amp;Itemid=98" target="_blank"&gt;Fact Magazine&lt;/a&gt;. Das Bild ist von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/mojodenbowsphotostudio/2984481119/" target="_blank"&gt;Photo Mojo&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/94516818</link><guid>http://neuezukunft.net/post/94516818</guid><pubDate>Thu, 09 Apr 2009 16:00:30 +0200</pubDate></item><item><title>Deep Space Nerd</title><description>&lt;p&gt;Ihr wisst es schon, Nerd ist Pop. Hemden sind zugeknöpft, Hosenbeine hochgekrempelt und vierundzwanzig Stunden ohne Tageslicht schafft heute auch der durchschnittliche Internetnutzer mit Facebook und Youtube. Poptheoretischer Haken dabei ist alleine, dass Nerds angeblich zuerst männlich sind. Das will entweder widerlegt oder geändert werden. Beispielsweise hat sich das dem Popfeminismus verschriebene &lt;a href="http://missy-magazine.de/" target="_blank"&gt;Missy Magazin&lt;/a&gt; gleich in seiner ersten Ausgabe dieser Kluft angenommen; mit einer Modestrecke über Nerdinen. Jedenfalls muss das, was Nerd ist, unter die Gender-Lupe, gerade wenn es Pop sein will.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm1.static.flickr.com/99/309678283_2f16b9d1bb.jpg" alt="gender" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gehen wir an die Substanz, zurück in eine Zeit, in der Nerds nicht wussten, dass sie soziale Prototypen und Stilikonen werden würden. Zurück in die Neunziger. Schauen wir Star Trek. In der ersten Neuauflage der Serie, in »The Next Generation«, hatten Frauen zwar zentrale Rollen, allerdings recht typische, z.B. als &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Deanna_Troi" target="_blank"&gt;Psychologin&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://" target="_blank"&gt;Ärztin&lt;/a&gt;. Wohl Wissenschaftlerinnen, aber doch in klassischen pflegenden Rollen. Nicht besonders unkorrekt, aber auch nicht sehr subversiv war das. Ruppiger und ein regelmäßigeres Thema wird Geschlecht mit »Deep Space Nine«. Bestes Beispiel dafür ist die Hauptrolle &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jadzia_Dax" target="_blank"&gt;Jadzia Dax&lt;/a&gt;‘.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ihr aktueller Körper – der einer jungen Frau – ist nicht ihr erster. Ein Teil von ihr hat auch schon als Mann gelebt. Sie ist ein »&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sexuality_in_Star_Trek%23Star_Trek:_Deep_Space_Nine_.281993-1999.29" target="_blank"&gt;serial hermaphrodite&lt;/a&gt;«. Sie kämpft mit gewalttätigen Klingonen und spielt mit sexistischen Ferengis. Ihr Spitzname ist »old man«. »Voyager« scheint dagegen ein Rückschritt. Es war zwar höchste Zeit für einen weiblichen Captain, aber &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kathryn_Janeway" target="_blank"&gt;Kathryn Janeway&lt;/a&gt; ist so cross-gender wie die Königin von England. Borg-Barbie &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Seven_of_Nine" target="_blank"&gt;Seven of Nine&lt;/a&gt; daneben wirkt trotz vulkanischer Logik und astronomischem Fachwissen irgendwie immer wie das sexy Quotenblondchen. Mein Bittorrenttipp für historisch interessierte Nerdinen: Star Trek DS9.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[Geschrieben für die &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=1095" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/eam/309678283/in/pool-93425337@N00" target="_blank"&gt;ubiquity_zh&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/93790749</link><guid>http://neuezukunft.net/post/93790749</guid><pubDate>Tue, 07 Apr 2009 14:15:00 +0200</pubDate></item><item><title>Ein bisschen E-Book-Revolution</title><description>&lt;p&gt;Über einen Monat gibt es den E-Book-Reader &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amazon_Kindle" target="_blank"&gt;Kindle 2 von Amazon&lt;/a&gt;.  Grund genug über die erwartete/erhoffte E-Book-Revolution nachzudenken. Was gibt es zu revolutionieren und welche Guillotinen und Gulaks kann man zu vermeiden suchen? Was ist da los?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm3.static.flickr.com/2122/2105379200_82d0b6044d_o.jpg" alt="ebooks" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zuerst die Technik: Das tolle neue an solchen E-Book-Readern ist deren spezielle &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronisches_Papier" target="_blank"&gt;Displaytechnik&lt;/a&gt;. &lt;a href="http://01blog.de/2009/03/03/ne004-ebooks/" target="_blank"&gt;Soweit ich gehört habe&lt;/a&gt;, verwenden alle bisher verfügbaren Geräte den gleichen Displaytyp; gleicher Hersteller, gleiche Größe, gleiche Auflösung. Das spezielle dieser Technik (bekannt als Electronic paper, Electronic ink, E-Ink, u.ä.) ist der außerordentliche scharfe Kontrast, den die Displays zu Stande bringen. Aufgrund des hohen Kontrasts und einer fehlenden Hintergrundbeleuchtung sind die Displays dann auf Dauer weniger anstrengend fürs Auge als die von PCs und Fernsehern bekannten Modelle. Außerdem ist die Technik enorm stromsparend. Allerdings beherrschen die Displays bisher nur schwarz-weiß und sind vergleichsweise langsam, d.h. brauchen recht lange, um Bildwechsel zu vollführen. Im Wesentliche kauft man also ein speziell fürs Lesen entwickeltes Display und ein Gerät mit extrem langen Akkulaufzeiten. Natürlich können die Geräte noch mehr (Markieren, Notizen, Netzwerkanbindungen, usw.), aber eigentlich doch sonst nichts, was ein Note- oder Netbook, oder auch ein neueres Smartphone nicht auch könnten. Besteht die Revolution nur aus neuen Displays und längeren Akkulaufzeiten? Das wäre ja langweilig.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auch wenn Amazon nicht der einzige Anbieter eines solchen Geräts ist, kann man am Kindle doch sehr gut sehen, um was es eigentlich geht: Es geht um die Digitalisierung von Texten, die bisher nur als Bücher erhältlich waren, und um die Vermarktung solcher digitalen Texte. Es ist ein Buchhändler der hier ins Hardwaregeschäft einsteigt und vermutlich will er mit dem Kindle in erster Linie einen Vertriebsweg verkaufen. So prall gefüllt und dynamisch das Internet auch ist, viele Texte sind dort nicht zu finden, legal nicht und auch nicht illegal. Jede nur auf Vinyl und nur in Japan veröffentlichte Techno-Singel kann man auftreiben, aber eines der Hauptwerke von Niklas Luhmann habe ich noch nicht gefunden. „Harry Potter“, „Windows Vista for Dummys“ und „Become a perfect lover in 30 days“ wird es geben, aber ein großes Ding sind digitale Versionen mittelpopulärer Bücher noch nicht. Oder täusche ich mich? Wie viel Prozent der Bücher meiner Unibibliothek dort oder wo anders digitalisiert zur Verfügung stehen, wage ich nicht zu schätzen, aber es sind nicht genug.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jedenfalls könnte das die Revolution sein, nämlich dass ich die Bücher meiner Bibliothek und die der Tokioter Universität volltextlich durchsuchen und digital leihen kann. Aber was rede ich da? „Leihen“ wird mindestens insofern obsolet, als dass ein bestimmtes Buch  zeitweise unzugänglich ist, weil es schon an jemanden anderen verliehen ist. Die Revolution könnte sein, dass die Wirtschaft anfängt sich Gedanken zu machen, wie digitale Texte vermarktet werden können. Und auch wenn uns deren Modell nicht immer gefallen werden, ist es doch ein wichtiger Anfang, mit dem wir uns dann auseinandersetzten können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[Geschrieben für &lt;a href="http://papierlos.org/node/50" target="_blank"&gt;papierlos.org&lt;/a&gt;. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/tonydevencenzi/2105379200/" target="_blank"&gt;Golden_Ratio&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/84580577</link><guid>http://neuezukunft.net/post/84580577</guid><pubDate>Sun, 08 Mar 2009 13:08:00 +0100</pubDate></item><item><title>Liebe – nur für Anfänger</title><description>&lt;p&gt;Die Natur schlägt traditionell den Frühling als gute Gelegenheit für das Anfangen einer Liebe vor. Zwar müssen wir uns ihrem Ratschlag nicht unbedingt fügen, aber schlecht ist die Idee nicht. Die Liebe ist nicht der einzige, aber der vielleicht beste Ort, um sich als individuelle Person prüfen und bestätigen zu lassen – als die Person, die man glaubt, öffentlich zu machen, und als die, die man versucht zu werden. In der Liebe findet man sich »in der Weltsicht des anderen erwartet als derjenige, der zu sein man sich bemüht« (Luhmann).

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://farm3.static.flickr.com/2393/1988850848_96770babf0_b.jpg" alt="bruise" width="400"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Das macht die Liebe so erstrebenswert, gerade in einer Gesellschaft, die Individualität zwar wie nie zuvor zulässt, an ihr aber oft nicht interessiert ist. Die Konzentration auf das Individuelle an Personen macht die Liebe aber auch konfliktträchtig und instabil. Eine Beziehung, die zentral auf die Individualität von Personen setzt, muss jedes Mal neu und anders sein. Jeder ist Anfänger in der Liebe. Liebende müssen und dürfen die eigene Individualität immer wieder neu mit der des Partners zu koppeln versuchen. Zuerst weiß man nicht, ob man schon verliebt ist, später nicht, ob man noch liebt.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Nicht nur ist das Anfangen einer Liebe kompliziert, gewissermaßen muss jede Liebe auch immer ein Anfangen bleiben. Liebe kann man nicht provozieren, sie kann nicht als Reaktion oder Pflicht funktionieren. Fast zu spät ist es, wenn man fragen muss: Liebst du mich? Am besten liebt man vorauseilend und spontan. Deshalb kann man Liebe nicht verordnen, sondern eben nur anfangen, mit offenem Ausgang und riesigen Gewinnchancen. Einstieg in den Anfängerkurs jederzeit möglich.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

[Geschrieben für die &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=1038" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/danielpaquet/1988850848/in/photostream/" target="_blank"&gt;Daniel Paquet&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/83426848</link><guid>http://neuezukunft.net/post/83426848</guid><pubDate>Wed, 04 Mar 2009 11:58:18 +0100</pubDate></item><item><title>

Bilder sind gefährlich mächtig, sagt man. Das hier hat mich erwischt. Roland Barth kann ich jetzt...</title><description>&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm4.static.flickr.com/3125/2579506056_09fa851e25_o.jpg" alt="sport" width="400"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Bilder sind gefährlich mächtig, sagt man. Das hier hat mich erwischt. Roland Barth kann ich jetzt hier gut anbringen, hat man mir beigebracht. Oder noch wichtiger: Recherchieren sollte ich, wie das Bild gemeint ist, ob es echt ist oder ausgedacht. Ich könnte es in einen Kontext stellen. Es erinnert mich jedenfalls an Sciencefiction und an Dekadenz, an Welten, die nur auf eine sehr komische Art Kontakt haben. Und weiter weiß ich schon nicht mehr. Aber vielleicht schaut ihr es euch besser selber an.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

[Das Bild ist von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/rodmur/2579506056/" target="_blank"&gt;Dizzy Swank&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/83285103</link><guid>http://neuezukunft.net/post/83285103</guid><pubDate>Wed, 04 Mar 2009 00:54:00 +0100</pubDate></item><item><title>Hyperdub und neuer Bass</title><description>&lt;p&gt;&lt;b&gt;Weder ist es superneu noch außergewöhnlich, das Londoner Label Hyperdub zu lobpreisen – aber wieder höchste Zeit.&lt;/b&gt; &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Wer &lt;a href="http://www.hyperdub.com/" target="_blank"&gt;Hyperdub&lt;/a&gt; sagt, muss &lt;a href="http://kode9.blogspot.com/" target="_blank"&gt;Kode9&lt;/a&gt; sagen. Im Wesentlichen ist er es, Steve Goodman, der das Label am Laufen hält. Abgesehen natürlich von den irren Produzenten, die Goodman in seinem Katalog versammelt. Hyperdub ist der releasende Beweis dafür, dass das, was zeitweise Dubstep war, in Wahrheit ein bassiges, waberndes Monster ist, das sich ständig selbst neu erfinden kann. Genres können doch nur immer Momentaufnahmen sein, ihr wisst schon.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://farm1.static.flickr.com/1/3336157_05370639cb.jpg" alt="analog" width="400"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Jedenfalls könnte 2009 ein großartiges Jahr für Hyperdub und Monsterliebhaber werden. In &lt;a href="http://www.bbc.co.uk/1xtra/benjib/" target="_blank"&gt;Benjis 1Xtra Radioshow&lt;/a&gt; vom letzten Freitag war Kode9 zu Gast und hat einiges von dem verraten, was 2009 von Hyperdub zu erwarten ist: Neben einer Labelkompilation auf zwei CDs, warten 5 neue Alben auf Fertigstellung; von &lt;a href="http://www.myspace.com/burialuk" target="_blank"&gt;Burial&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.myspace.com/kode9" target="_blank"&gt;Kode9 / Spaceape&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.myspace.com/darkstar001" target="_blank"&gt;Darkstar&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://www.myspace.com/ikonika" target="_blank"&gt;Ikonika&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.myspace.com/kingmidassound" target="_blank"&gt;King Midas&lt;/a&gt; . So viele Ausrufezeichen gibt mein Computer gar nicht her, wie hier nötig wären. Die zwei neuen, in der Radioshow gespielten Tracks von Burial verraten schon, dass von ihm nichts vollkommen anderes kommen wird. Bei wenigen Produzenten ist das eine so gute Nachricht wie bei Burial.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Neuer ist schon die auch letztes Jahr mit &lt;a href="http://www.myspace.com/samiyambeats" target="_blank"&gt;Samiyams&lt;/a&gt; »Return« grandios gepflegte Achse Hyperdub-&lt;a href="http://www.brainfeedersite.com/" target="_blank"&gt;Brainfeeder&lt;/a&gt;. Noch mehr weird Hip-Hop mit Tracks von &lt;a href="http://www.flying-lotus.com/" target="_blank"&gt;Flying Lotus&lt;/a&gt; steht an, bestimmt also werden wir keinen Mangel leiden müssen an strangen Synthies, queren Beats und mächtigen Bassunterbauten. Aktuellstes Release ist eine 12“ mit einem Track von &lt;a href="http://www.myspace.com/thejokerproductions" target="_blank"&gt;Joker&lt;/a&gt; und einem von &lt;a href="http://www.myspace.com/2000f" target="_blank"&gt;DJ 2000F&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.myspace.com/jkamata" target="_blank"&gt;JKamata&lt;/a&gt;, die alle drei die G-Funk-Variante des Hip-Hop mit neuen Beats verbauen. Warp hat ja ganz ähnliche Sachen am Laufen: Letztes Jahr das große Album von Flying Lotus und jetzt das Album von &lt;a href="http://www.harmonic313.com/" target="_blank"&gt;Harmonic 313&lt;/a&gt; (Spitzenseite!) und die EP von &lt;a href="http://www.myspace.com/hudsonmo" target="_blank"&gt;Hudson Mohawk&lt;/a&gt;. Beide klar mit Hip-Hop bewaffnet, aber immer vertrackt und verschroben, mit abgefahren Melodien und zerhackten Beats. Die analogen Sounds machen das Ganze nur noch rougher, Detroit inklusive. Super ist es jedenfalls, wenn Hip-Hop so reformuliert wird und  Hyperdub (auch abseits davon) noch experimenteller wird. Ich habe das Gefühl, da hat etwas angefangen, was noch nicht vorbei ist.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

[Die Radioshow gibts noch bis Freitag &lt;a href="http://www.bbc.co.uk/1xtra/benjib/" target="_blank"&gt;direkt bei der BBC als Stream&lt;/a&gt; und ist sonst über Google in Blogs und Foren als Download zu finden. Das Bild ist von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/jurvetson/3336157/sizes/m/in/photostream/" target="_blank"&gt;jurvetson&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/81221577</link><guid>http://neuezukunft.net/post/81221577</guid><pubDate>Wed, 25 Feb 2009 01:06:00 +0100</pubDate></item><item><title>Microhype blitzartig erkannt und sofort festgesetzt – so, wie ihr es erwarten dürft von der...</title><description>&lt;p&gt;&lt;b&gt;Microhype blitzartig erkannt und sofort festgesetzt&lt;/b&gt; – so, wie ihr es erwarten dürft von der fingerschmerzenden Hotness der Neuen Zukunft. Wir haben im &lt;a href="http://www.factmagazine.co.uk/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=1736&amp;Itemid=52" target="_blank"&gt;Fact-Blog&lt;/a&gt; einige Spekulationen aufgeschnappt über die Zukunft britischer Bassmusik, mit der ja schon deshalb immer gut Kurzzeitgedächtnisse zu befüllen sind, weil sich »step« so gefügig mit anderen Genres kombinieren lässt. Und das ist hier nicht einmal nötig.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://farm3.static.flickr.com/2244/2062279484_cee9f0b6e6_b.jpg" alt="purplerobot" width="400"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Nicht Vampire- oder Glamstep ist es (puh!), der uns begeisterter Straßenbahn fahren lässt, sondern dieses Ding heisst &lt;b&gt;Purple Funk&lt;/b&gt;. (Für die Unentschlossenen auch mit Fragezeichen zu haben: Purple Funk?) Seinen coolen Unterbau holt sich der P-Funk klar von Dr. Dre‘s G-Funk der 90er: Die Vocals sind weit nach oben gepitcht, dazu klirren und klatschen trockene Breaks und die Synthies heulen und brummen alles so lässig zusammen, dass man immer auch super bekifft sein kann dazu. Person zum Microhype ist der Produzent &lt;a href="http://www.myspace.com/thejokerproductions" target="_blank"&gt;Joker&lt;/a&gt;, dessen Kollege Gemmy den &lt;a href="http://www.factmagazine.co.uk/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=1802&amp;Itemid=28" target="_blank"&gt;passenden Mix&lt;/a&gt; verschenkt.
&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;
[Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/jasohill/2062279484/" target="_blank"&gt;jasohill&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/72192946</link><guid>http://neuezukunft.net/post/72192946</guid><pubDate>Thu, 22 Jan 2009 01:50:00 +0100</pubDate></item><item><title>Endlich habe ich mein normales Leben zurück. Für mich – und bestimmt nicht nur für mich – war 2008...</title><description>&lt;p&gt;&lt;b&gt;Endlich habe ich mein normales Leben zurück.&lt;/b&gt; Für mich – und bestimmt nicht nur für mich – war 2008 das erste Jahr mit &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter" target="_blank"&gt;Twitter&lt;/a&gt;. Und hier fangen sie schon an, die vielen Merkwürdigkeiten, die diesen (für 2.0-Verhältnisse) nicht neuen, sondern alten Dienst markieren: Wenn &lt;a href="http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/83/" target="_blank"&gt;deutsche&lt;/a&gt; wie &lt;a href="http://radar.oreilly.com/2008/11/why-i-like-twitter.html" target="_blank"&gt;amerikanische&lt;/a&gt; Spezialisten fürs Supernetz noch Ende 2008 ein Kommuniaktionsding erklären, über das schon 2007 in &lt;a href="http://www.zeit.de/2007/17/twitter-17?page=all" target="_blank"&gt;Zeit&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,474047,00.html" target="_blank"&gt;Spiegel&lt;/a&gt; geschrieben wurde, dann dürfen wir diesem Ding gegenüber mindestens misstrauisch bleiben. Mit einem solchen Ding muss etwas nicht stimmen. Vielleicht ist es nicht einmal ein Ding, sondern – Gott bewahre! – schon wieder eines dieser neuen Medien.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://farm4.static.flickr.com/3175/2859230527_237ed5d68e.jpg" alt="micro" width="400"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Twitter ist &lt;a href="http://wirres.net/article/articleview/4829/1/6" target="_blank"&gt;schwerer zu erklären&lt;/a&gt;, als es zu benutzen ist, und das, obwohl es technisch gar nicht viel kann. Schwer zu vermitteln ist, was durch diese spektakulär einfache Basis ermöglicht wird, nämlich das &lt;b&gt;Medium&lt;/b&gt;; und Twitter ist ja nur der zurzeit vitalste Boden für eben dieses Medium: gemeint ist &lt;b&gt;Microblogging&lt;/b&gt;. Klar, Twitter hat technisch ganz vorbildlich (nachträglich leicht gesagt) die wichtigsten Trends des nächsten Netztes eingebaut: Twitter ist mobil und nicht an den PC gebunden, es ist offen und wie kein anderer Dienst extern erweitert worden. Auf Dezentralisierung dürfen wir durch die Open Source Variante &lt;a href="http://laconi.ca/trac/" target="_blank"&gt;Laconica&lt;/a&gt; hoffen.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Auch als Medium zieht Microblogging sein komplexes Potenzial aus &lt;b&gt;Reduktion&lt;/b&gt; und &lt;b&gt;Dezentralisierung&lt;/b&gt;: Reduziert ist das akzeptable Minimum an Relevanz. Belang ist für das Medium &lt;a href="http://twitter.com/saschalobo/status/819099289" target="_blank"&gt;belanglos&lt;/a&gt;. Das heisst auf keine Art, dass Anspruch ausgeschlossen wäre, sondern nur das er dezentralisiert und individualisiert ist. Aber davon abgesehen: es darf uns freuen, dass das &lt;a href="http://neuezukunft.net/post/40057004/will-man-eine-autobiographie-schreiben-hat-man" target="_blank"&gt;Alltägliche&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://neuezukunft.net/post/56631177/das-fernsehen-hat-es-gerade-wieder-schwer-und-das" target="_blank"&gt;Banale&lt;/a&gt; einen Platz besetzten kann in einer Welt, die wir durch Medien beobachten müssen. Es ist gut zu sehen, dass Menschen auch &lt;a href="http://twitter.com/kathrinpassig/status/1031509200" target="_blank"&gt;essen&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://twitter.com/blogwart/status/1034643537" target="_blank"&gt;reden&lt;/a&gt; oder auch nur twittern. Zumindest ist das Medium nicht der Grund dafür, dass &lt;a href="http://twitter.com/aleksthethird/status/1037958753" target="_blank"&gt;Leben normal ist&lt;/a&gt;.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

[Zusatz: Interessant ist, was die Personen tun, die man kennt und mag. Und kennen und mögen kann man am besten Personen, von denen man solche Banalitäten erfährt.]

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

[Erschienen ohne Umlaute, aber mit gratis Liste in der &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=963" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/23751994@N03/2859230527/" target="_blank"&gt;mick motor photos&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/63679103</link><guid>http://neuezukunft.net/post/63679103</guid><pubDate>Tue, 09 Dec 2008 12:27:00 +0100</pubDate></item><item><title>"»Also der Mensch interessiert mich nicht, wenn ich das so hart sagen darf.«"</title><description>“»Also der Mensch interessiert mich nicht, wenn ich das so hart sagen darf.«”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt; - &lt;em&gt;Niklas Luhmann | 08.12.1927 – 06.11.1998&lt;/em&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/58296422</link><guid>http://neuezukunft.net/post/58296422</guid><pubDate>Thu, 06 Nov 2008 13:18:22 +0100</pubDate></item><item><title>Vilém Flusser hat es geahnt: Die Schrift hat ihre besten Tage hinter sich. Sie wird nicht das...</title><description>&lt;p&gt;&lt;b&gt;Vilém Flusser hat es geahnt:&lt;/b&gt; Die Schrift hat ihre besten Tage hinter sich. Sie wird nicht das vorherrschende Medium der Gesellschaft bleiben oder ist es vielleicht schon gar nicht mehr. Die Schrift, die Arme, ist einfach zu sehr der Linearität verpflichtet. Alles will sie aufreihen, alles zwängt sie in eine vorherbestimmte Sequenz. Und das reicht ihr nicht. Zutiefst hat sie unsere Vorstellung von Zeit geprägt: die Geschichte als eine Gerade hat sie erst erfunden. Gerde nötigt sie euch und mich von links nach rechts zu schauen. Unermüdlich zählt, ordnet und zwingt sie die Welt in Zeilen. Das konnte nicht gut gehen.


&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img src="http://farm1.static.flickr.com/145/391760527_3e62c19eac_b.jpg" alt="flow" width="400"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Die nächste Gesellschaft ist eine der Flächen und Farben. Die neuen, technisch erzeugten Bilder und Bildschirme brechen mit der alten Linearität, ja entlarven sie als blosse Vermittlungen. Zu Flussers Zeiten (1978) hätten wir das noch fürchten müssen, denn gemeint war das Senden der Massenmedien, das nur eine Richtung kennt. Flusser hat damals zurecht bemerkt, dass Informationen über solche Einbahnstrassen zwar fliessen können, dass sie so aber nicht prozessiert oder bearbeitet, nicht kulturell gespeichert werden können. Das Internet hat das geändert.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Der Preis für diesen Wechsel ist nicht niedrig: Aufgeben müssen wir den Glauben an eine lineare Erklärbarkeit der Welt und stattdessen vorlieb nehmen mit Modellen und Theorien. Die Welt hört auf, sich als etwas Lesbares zu präsentieren. Für eine Archivierung ist sie zu flüssig geworden. Das Netz des Internet spiegelt das wohl am besten wieder. Deshalb ist es auch komisch, wenn &lt;a href="http://www.heise.de/newsticker/Verordnung-zur-Pflichtablieferung-von-Netzpublikationen-tritt-in-Kraft--/meldung/117817" target="_blank"&gt;die Deutsche Nationalbibliothek meint&lt;/a&gt;, sinnvoll das Internet archivieren zu können. Haben die in ihrem Archiv nicht auch Vilém Flusser? Und: Wenn noch ein Archiv möglich ist, kann dann nicht nur das Internet selbst dieses neue Archiv sein?

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

[Ursprünglich und ohne Umlaute am 06.11.2008 in der &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=926" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Das Bild ist von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/lf-photodesign/391760527/" target="_blank"&gt;Lutz-R. Frank&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/58293572</link><guid>http://neuezukunft.net/post/58293572</guid><pubDate>Thu, 06 Nov 2008 12:53:56 +0100</pubDate></item><item><title>Das Fernsehen hat es gerade wieder schwer, und das auf seine alten Tage. Öffentlich wird es...</title><description>&lt;p&gt;&lt;b&gt;Das Fernsehen hat es gerade wieder schwer, und das auf seine alten Tage. &lt;/b&gt;Öffentlich wird es beschimpft, viele treffen sich nur noch heimlich mit ihm – der alten, ja auch guten Zeiten wegen. Natürlich: Das Fernsehen ist – typisch Rentner – zeitlich etwas unflexibel und hat seine festen Gewohnheiten: Wer nicht kann, verpasst halt was. Es spricht kaum Fremdsprachen, und oft nichtmal die eigene besonders gut. Und: Als das Massenmedium ist es aller meistens einem sehr, sehr kleinen gemeinsamen Nenner verpflichtet. Übertroffen wird das nur noch von lokalen Radiosendern.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;img style="float: right; margin-left: 10px" src="http://www.ninjors.com/images/shikato.jpg" alt="shikato" width="224" height="158"/&gt;

Das Harmlose hat da nur wenig Platz, obwohl es im Überfluss vorkommt. Dass Banales und Besonders heute wieder neu und gut zusammen gehen können, haben wir &lt;a href="http://neuezukunft.net/post/40057004/will-man-eine-autobiographie-schreiben-hat-man" target="_blank"&gt;schon versucht zu behaupten&lt;/a&gt;. Ja, es gehört zu den größten Verdiensten des Internet, das Unspektakuläre wieder sichtbar gemacht zu haben. &lt;a href="http://twitter.com/neuezukunft" target="_blank"&gt;Twitter&lt;/a&gt; ist dafür ein gutes Beispiel. Aber dass auch das Fernsehen – und dann noch auf seine alten Tage – kleine goldenen Harmlosigkeiten zeigen kann, darf überraschen.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Doch all die hier fein verlegten Schichten Metaperspektivierung streben in Wahrheit nur einem Ziel zu, nämlich euch, geliebte Leser, &lt;b&gt;Shikato&lt;/b&gt; zu zeigen, das in seiner spektakulären Banaliät und Einfachheit eben auch im Fernsehen zwischen zwei Ren-and-Stimpy-Folgen zu bestaunen wäre. Shikato ist - soweit wir das herausfinden konnten und wollten – noch aus den 90ern und war Teil der japanischen Kindersendung Ugougo Lhuga. Dass schon die Ren-and-Stimpy-Show locker als Kaufgrund für einen Fernseher durchgeht, predige ich ein anderes Mal.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;b&gt;Heute:  SHI-KA-TO&lt;/b&gt;

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;object width="400" height="324"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/YGLXA8tBJC4&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;color1=0x3a3a3a&amp;color2=0x999999"&gt;
&lt;param name="allowFullScreen" value="true"&gt;
&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/YGLXA8tBJC4&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;color1=0x3a3a3a&amp;color2=0x999999" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" width="400" height="334"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Das Bild ist Fanart von &lt;a href="http://www.ninjors.com/menu.htm" target="_blank"&gt;da&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/56631177</link><guid>http://neuezukunft.net/post/56631177</guid><pubDate>Mon, 27 Oct 2008 21:55:53 +0100</pubDate></item><item><title>Eingebildete Schwaben</title><description>&lt;p&gt;Es ist wieder passiert und es ist ein Fressen für die Presse. Wieder konnte man in Prenzlberg auf Plakaten lesen, «Schwaben» seien im Berliner Osten von irgendwem nicht erwünscht. Waren die Plakate vor zwei Jahren noch fast &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/luegenrockt/358658402/" target="_blank"&gt;liebevoll&lt;/a&gt; designt, sind die Versionen dieser Saison um einiges &lt;a href="http://img360.imageshack.us/my.php?image=dsc00071hk4.jpg" target="_blank"&gt;platter&lt;/a&gt;. Aber natürlich: Böse Plakate gibt es viele. Auch muss es kein Grund zur Beunruhigung sein, wenn die Berliner Zeitung eine «&lt;a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0604/feuilleton/0004/index.html" target="_blank"&gt;Welle von Schwabenhass&lt;/a&gt;» auszumachen meint und Welt.de deshalb &lt;a href="http://www.welt.de/berlin/article2213348/Angst_und_Konservatismus_einer_Metropole.html" target="_blank"&gt;um die Mediaspree heult&lt;/a&gt;. Komisch fühl ich mich aber als – jetzt ist es raus – bayrischer Schwabe, wenn mir Leute auf Parties erzählen, wie schlecht «die Schwaben» in Berlin sind.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm2.static.flickr.com/1061/1338202352_157fdab2b3.jpg?v=0" alt="schwaben" width="400"/&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auch wenn ich alles andere als angefeindet worden bin, scheint das Bild der ignoranten «Schwaben» doch bekannt und verbreitet. Weniger bescheuert wird das auch dann nicht, wenn erklärt wird, das «Schwabe» nur Synonym sein soll &lt;a href="http://reifenwechsler.blogspot.com/2008/06/schwaben-in-prenzlauer-berg.html" target="_blank"&gt;für Schnösel oder Yuppies&lt;/a&gt; aller Art. Aber von der Seite kommt man der Sache zumindest näher, denn Ursache für diesen komischen Bedeutungswandel ist ein Prozess, den andere Städte dem schönen Berlin vorgemacht haben. &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung" target="_blank"&gt;Gentrifizierung&lt;/a&gt; wäre ein Wort für diese Entwicklung: Bestimmte Stadtteile werden gerade bei den Leuten beliebter, die Geld haben, und eben deshalb insgesamt teurer.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So rum wird auch klarer, was eigentlich das Problem ist, nämlich das Ghetto – sei es eines für Arme oder eines für Reiche, eines für Schwaben oder für Türken, für Grünhäutige oder eines für Leute mit gelben Hosen. Scheiße wird es immer dann, wenn keine &lt;a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,564649,00.html" target="_blank"&gt;soziale Variation&lt;/a&gt; möglich ist. Da ist es wenig hilfreich, dass segregierte Viertel als wirtschaftlich wertvoller gelten. Denn letztendlich kommt es gerade dort, wo man «unter sich ist», zu so einem angenehm einfachem Wir-gegen-Die-Blödsinn, selbst wenn die Realität der Einbildung &lt;a href="http://www.watchberlin.de/watchberlin/#watchberlin-content-12592-2-V" target="_blank"&gt;gar nicht recht entsprechen mag&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;[Für die &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=858" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/devnull/1338202352/" target="_blank"&gt;dev null&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/49237577</link><guid>http://neuezukunft.net/post/49237577</guid><pubDate>Wed, 10 Sep 2008 00:00:00 +0200</pubDate></item><item><title>Das Gemeinsame ist die Gesellschaft, nur dass sie nie ist, sondern ständig wird. Deshalb muss auch...</title><description>&lt;p&gt;&lt;img src="http://farm1.static.flickr.com/253/445463714_4e05e69d2a.jpg?v=0" alt="loch" width="400"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;b&gt;Das Gemeinsame ist die Gesellschaft&lt;/b&gt;, nur dass sie nie ist, sondern ständig wird. Deshalb muss auch immerzu neu entschieden werden, wie es weitergehen soll mit ihr. Damit haben wir es dann mit der Minimalbedingung der Gesellschaft schlechthin zu tun, nämlich mit der Frage, ob und wie die Gesellschaft mit ihren eigenen Mitteln fortgesetzt wird. Durch das Kommunikationsmedium Internet wurde diese Frage nach Fortsetzung radikal verkompliziert, und zwar indem durch Vernetzung die kommunikativen Anschlussmöglichkeiten vervielfacht wurden. Durch das Internet sind die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Selektion einer Fortsetzung aneinander explodieren.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Organisiert werden muss ein solcher &lt;b&gt;Überschusssinn&lt;/b&gt; (&lt;a href="http://www.perlentaucher.de/buch/28695.html" target="_blank"&gt;Baecker&lt;/a&gt;) von einem gesellschaftlichen Gedächtnis, mit dessen Hilfe zwischen Erinnern und Vergessen vermittelt werden kann, einem Gedächtnis, um laufend zwischen Bekanntem und Neuem und zwischen Redundanz und Varietät zu unterscheiden. Ständig will aktuell geprüft sein, wie in Vergangenheit angeschlossen wurde und inwiefern Anschlüsse in dieser Form in Zukunft sinnvoll sein können. Dieses Gedächtnis heisst «Kultur» – und eines ist dabei wohl klar und unumstritten: Durch das Internet wird sich diese Kultur verändern und verändern müssen. Aber wie?

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

Prognosen sind problematisch, gerade in einer Situation wie sie hier beschrieben ist. In einem Netzwerk muss jederzeit mit neuen und unbekannten Anschlüssen gerechtet werden, die wiederum an anderer Stelle schon als gangbare Pfade bekannt sind. Bewährtes und Neues rücken näher zusammen und leichter als zuvor kommt es zu Konflikten. In dieser Situation könnte es dann um das Suchen und Besetzten von Nischen gehen, um eine Expedition nach &lt;b&gt;Löchern in der Kultur&lt;/b&gt; selbst. Es könnte darum gehen, Gedächtnis zu verwenden, um es zeitweise zu umgehen und ihm letztlich etwas hinzuzufügen. Es kann eben nur weitergehen. Offen bleibt, wie.

&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;

[Text ursprünglich für die &lt;a href="http://www.berlinergazette.de/?p=821" target="_blank"&gt;Berliner Gazette&lt;/a&gt;. Bild von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/sigmaman/445463714/" target="_blank"&gt;sigmaman&lt;/a&gt;.]&lt;/p&gt;</description><link>http://neuezukunft.net/post/45102696</link><guid>http://neuezukunft.net/post/45102696</guid><pubDate>Thu, 07 Aug 2008 20:20:00 +0200</pubDate></item></channel></rss>
